Wirkungsweise der Glaubenssätze

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Posted from 24.8.41.166 by Caro on October 15, 2009 at 23:47:21:

In Reply to: Wirkungsweise der Glaubenssätze posted by Susanne on October 15, 2009 at 13:44:40:

Hallo Susanne,

du siehst alles etwas zu starr und machst ein paar Denkfehler.

Glaubenssaetze produzieren Realitaet. Und Realitaet wiederum ist immer das, wovon wir im Innern ueberzeugt sind. Das heisst, dass noch lange bevor eine "aeussere Realitaet" entstand, wir laengst eine Realitaet hatten (im Innern), welche sich im Anschluss lediglich als Bild im Aussen darstellte.

Du hast ganz richtig verstanden, dass, wenn jemand der Ueberzeugung ist, immer Pech zu haben, sich diese Realitaet auch immer erneut in seinem Aeusseren manifestieren und damit seinen Glaubenssatz ("Ich habe immer Pech") bestaetigen wird.

Nun ist das materielle Ereignis jedoch untergeordnet, denn wenn wir von Realitaet sprechen, so meinen wir in erster Linie unsere GEFUEHLSWELT und nicht physische Ereignisse. Das wird deutlicher, wenn du dir z.B. einen Menschen anschaust, der sich ein Bein gebrochen hat. Fuer den einen ist dieses Ereignis furchtbar, fuer den naechsten ist es eine willkommene Pause. Der erste ist z.B. ein ambitionierter Profisportler, der nun gegen seinen Willen pausieren muss, der naechste ist ebenfalls Profisportler, suchte aber bereits seit Jahren nach einer Moeglichkeit, um aus dem Sport endgueltig auszusteigen oder wollte unbedingt eine laengere Pause, benoetigte dafuer jedoch einen "Vorwand".

GS koennen sich also unterschiedlich auswirken, und was per se als schlimmes Ereignis gewertet wird (gebrochenes Bein), ist nicht unbedingt schlimm. Es kommt auf den Betrachter an bzw. darauf, aus welchen Ueberzeugungen heraus dieses Ereignis produziert wurde.

Auch der Verlust eines geliebten Menschen muss nicht schlimm sein in dem Sinne, als dass er einen in Depressionen treibt. Es kann ebenso gut zur Erweiterung fuehren, ganz ohne Schmerz.

Und nun kommen wir zu deinem Beispiel einer Person, deren Leben eigentlich von positiven GS gepraegt ist, und die mehr positive als negative Erfahrungen im Leben machte, bis eines Tages ein schlimmes Ereignis in ihr Leben tritt. Hier gibt es mehrere moegliche Ursachen:

a) Das Leben dieser Person war gar nicht so sehr positiv gepraegt, wie du glaubtest. Negative GS zogen sich bereits durch ihr gesamtes Leben und machten sich auch immer wieder bemerkbar, nur wurde es von der betreffenden Person ignoriert, was zu einem kontinuierlichen Aufbau der negativen Ereignisse fuehrte. D.h, was sehr klein anfing und als "vernachlaessigbar" galt, wurde immer groesser, bis es sich eines Tages als "schwerer Schicksalsschlag" aeusserte. Dies ist sehr haeufig der Fall, besonders in unserer heutigen Gesellschaft. Wir alle leiden fast schon krankhaft unter Verlustangst. Wir haben Angst davor, dass wir das, was uns lieb ist, verlieren koennten, weil wir unser Glueck und Wohlbefinden an der Praesenz bestimmter Dinge oder Lebewesen festmachen. Wir sind also Abhaengige unserer Ueberzeugungen.

b) Glaubenssaetze erschaffen nicht nur gefuerchtete oder geliebte Erfahrungen, sondern auch welche als Mittel zum Zweck auf anderer Ebene, siehe den Sportler, der sich sein Bein bricht, damit er aus dem Sport aussteigen kann. Wenn wir uns z.B. zu sehr in einer Sache verstricken, zu sehr verrennen, so benoetigen wir einen Impuls, der uns wieder auf den richtigen Kurs bringt. Gerade Unfaelle sind da sehr beliebt, da sie das ganze alltaegliche Leben stoppen und somit zu einer Art "Ernuechterung" fuehren. In diesem Fall stand kein GS dahinter, der sagte "Ich habe Angst vor Verletzung" oder "Ich habe immer Pech", sondern eher das Beduerfnis nach einer Richtungsaenderung im Leben.

Und wieder gilt: Ein Ereignis an sich ist weder positiv noch negativ. Es kommt auf denjenigen an, der die Erfahrung macht. Deshalb ist es nicht sinnvoll, das materielle Ereignis anzuschauen, wenn man sich sein Leben oder das Leben eines anderen betrachtet, sondern eher die ERFAHRUNG des Einzelnen, die dadurch gemacht wurde. Denn diese Erfahrung (z.B. bestimmte Emotionen) sind das, worum es geht. Das materielle Ereignis ist untergeordnet.

Bei allem ist natuerlich wieder nicht der Plan zu vergessen, der letztendlich bestimmt, mit welchen GS wir ausgestattet werden, damit wir unseren Lebensplan auch erfuellen koennen. Und der Plan besteht ebenfalls eher aus emotionalen Huerden, weniger aus materiellen Ereignissen.

> Alle großen Planpunkte sind „fix“, werden auf jeden Fall erschaffen, es geht ums Erleben – aber doch auch sie müssten immer auf ein länger entwickeltes, einheitlicheres „Bündel“ von GS zurückzuführen sein?!

Es ist genau umgekehrt: Nicht die GS formen den Plan, sondern der Plan bestimmt, mit welchen GS wir ausgestattet bzw. "programmiert" sind. Wir kommen als Babys nicht als unbeschriebene Blaetter zur Welt, sondern sind bereits "vorprogrammiert". Schon bei Geburt steht fest, wie wir bestimmte Dinge im Leben sehen/begreifen werden, und wie unsere Persoenlichkeit aussehen wird, ebenso wie ja auch unser koerperliches Aussehen bereits genetisch festgelegt ist.

Wenn du nun den Plan als uebergeordnetes Geruest siehst, dem alles folgt, so sind GS quasi der "ausfuehrende Arm" des Planes. Ist also jede emotionale Erfahrung auf GS zurueckzufuehren? Ja, das ist sie. Aber es ist, wie bereits erwaehnt, nicht so, dass es nur negative oder positive GS gaebe, sondern eher "hinderliche" und "foerderliche". Und was hinderlich oder foerderlich ist, liegt im Plan des Individuums begruendet.

Liebe Gruesse
Caro

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