Posted from 24.8.41.166 by Caro on March 09, 2010 at 21:40:07:
In Reply to: Wirkungsweise der Glaubenssätze posted by Konny S. on March 09, 2010 at 11:14:31:
Hallo Konny,
> Also liegen GS in der Anschauungsweise begründet? D.h. wenn ich meine innere Einstellung ändere, verhalte ich mich anders (zwangsläufig) , wodurch sich auch meine äußere Realität ändert?
nicht ganz. Glaubenssaetze sind Ueberzeugungen, waehrend "Einstellungen" und "Ansichten" das Resultat aus diesen Ueberzeugungen darstellen. Das heisst, deine Ueberzeugungen liegen noch tiefer als deine Einstellung.
Aus diesem Grund ist es auch nicht wirklich moeglich, eine Einstellung zu veraendern, solange die dahinterstehenden Glaubenssaetze noch praesent sind. Auf dein Beispiel bezogen: Jemand, der staendig denkt, er habe Pech, wird nicht auf einmal (fuer ihn glaubhaft) denken koennen, dass er Glueck habe. Denn die Frage ist doch, WARUM derjenige denkt, er habe immer Pech. Er denkt dies, weil er in der tiefe seines Herzens von dieser Realitaet ("Ich habe immer Pech") ueberzeugt ist. Wenn dieser Mensch nun beginnen wuerde, sich zu beluegen, indem er sich selbst einredet, dass er "immer Glueck" hat, so wird er trotzdem weiterhin vom Pech verfolgt sein, weil der Glaubenssatz in der Tiefe etwas anderes besagt.
Nun ist es aber selten so, dass unsere Glaubenssaetze lauten "Ich habe immer Pech". Sie lauten eher "Ich bin nicht wertvoll" oder "Ich bin des Glueckes nicht wert" und so weiter. Diese Glaubenssaetze erzeugen dann Gedanken wie "Das klappt eh nicht" oder "Ich habe immer nur Pech".
Aus diesem Grund, d.h., weil Glaubenssaetze noch tiefer liegen als oberflaechliche Gedanken, ist das sog. "Positive Denken" langfristig nicht wirklich hilfreich. Denn jemand, der z.B. in der Tiefe ueberzeugt davon ist, nichts wert zu sein, wird mit Positivem Denken lediglich gegen sich selbst kaempfen, indem er seine Glaubenssaetze zu ueberdecken versucht. Das kostet sehr viel Kraft, und die Resultate sind gering. Letztendlich wird auch diese Person wieder von ihren wahren Glaubenssaetzen "eingeholt", die sich nicht "wegdenken" lassen.
Um Glaubenssaetze wirklich abzulegen, braucht es erst mal die Erkenntnis, DASS und WELCHE Glaubenssaetze in einem existieren, und dann in Folge die Erkenntnis, dass bestimmte hinderliche Glaubenssaetze (wie z.B. "Ich bin nicht wertvoll") keine Notwendigkeit mehr besitzen. Dieser Prozess ist einer, auf den wir Menschen nur begrenzten bewussten Einfluss haben, weil unser Unterbewusstsein hier eine massgebliche Rolle spielt. Wir muessen innerlich bereit sein, einen alten Glaubenssatz loszulassen, und das ist meist gar nicht so einfach, weil uns unsere aeussere Realitaet in der Regel fuer Jahrzehnte gezeigt hat, dass dieser Glaubenssatz "richtig" ist. Jemand, der sich z.B. nicht wertvoll fuehlt, wird diesen Glaubenssatz im Laufe seines Lebens immer und immer wieder bestaetigt bekommen haben. Und je mehr er bestaetigt wurde, desto mehr wurde der Glaubenssatz gefestigt.
Der Prozess des Glaubenssatz-Ablegens verlaeuft Hand in Hand mit der Bewusstseinserweiterung eines Individuums. D.h., je hoeher das Bewusstsein, desto mehr Erkenntnis hat der Betreffende in Bezug auf seine hinderlichen Glaubenssaetze, und desto eher "deucht" es ihm, dass sie nicht noetig sind und dass er sie nicht mehr braucht.
Das Beste, was du tun kannst, ist, dich selbst zu beobachten, dich selbst mehr kennenzulernen (nicht nur dein Denken, sondern die Ursache fuer dein Denken und dein Fuehlen). Der Rest kommt ganz von selbst. Es ist hier wie mit dem Erwachsenwerden - du wurdest ganz von alleine erwachsen und musstest nichts dazu tun. Dasselbe gilt fuer das Ablegen von Glaubenssaetzen - es ist ein natuerlicher Prozess, der seinen Weg geht. Wichtig ist die innere Bereitschaft, sich von Altem zu loesen und Neues willkommen zu heissen. Und das ist sehr schwer fuer uns Menschen, da wir so festgefahren sind in unseren Mustern. Mit dem noetigen Vertrauen in deinen Lebensweg jedoch faellt es leichter.
> Das bedeutet: es ist wichtig, zu ergründen, wie man denn die dinge sieht und einordnet, liegt also immer im sinne des Betrachters.
Es ist noch viel wichtiger zu ergruenden, WARUM man denn die Dinge sieht und einordnet, wie man sie sieht und einordnet. Wenn du z.B. feststellst, dass du denkst "Ich habe immer Pech", dann ist die naechste Frage: "Warum denke ich das? Aus welcher Ueberzeugung heraus denke ich das?". So gelangst du an deine GS.
> Möchte ich was ändern, muss ich meine GS überdenken und gegebenenfalls ändern, damit ich überhaupt was ändern kann.
Wie gesagt, kann man GS nicht einfach so aendern. Du traegst z.B. den Glaubenssatz in dir, "Konny" zu sein. Das ist ein sehr starker, sehr tief verankerter GS, den du in deinem Leben auch nicht ablegen sollst, denn er macht dich zu der Person, die du bist, und ermoeglicht dir dein spezielles Erleben als Konny. Aber es soll als Beispiel dazu dienen, was Glaubenssaetze wirklich sind, naemlich tiefe Ueberzeugungen, die sich nicht einfach durch Gedanken aendern lassen. Wenn du z.B. Angst vor Spinnen hast, so kannst du diese Angst nicht einfach beseitigen, indem du beschliesst "Ok, ab heute habe ich keine Angst mehr vor Spinnen", weil hier dein Verstand gegen deine Gefuehle arbeitet, die, wie bereits erwaehnt, auf deinen Glaubenssaetzen basieren. Glaubenssaetze liegen also viel tiefer und sind nicht einfach so mit dem Verstand zu beeinflussen. Und das sollen sie auch gar nicht sein, denn denke an die elementaren Glaubenssaetze, wie z.B. den GS "Ich bin ein Mensch". Koennten wir diesen einfach so ablegen und z.B. austauschen gegen "Ich bin ein Hund", gaebe es Chaos. Glaubenssaetze bestimmen, wer wir sind und als was wir uns erfahren. Sie sind essentiell fuer unser Erleben. Aber einige sind eben hinderlich, und diese werden im Laufe der individuellen Bewusstseinserweiterung immer mehr erkannt und abgelegt werden koennen.
> Also: ich denke nicht mehr, ich habe immer pech und finde keine arbeit und habe deshalb weniger geld, sondern : ich habe glück, denn ich kann mit und für meine kinder da sein, dazu brauche ich nicht viel geld.
Du wirst sehen, dass das nur begrenzt funktioniert. Wenn du negative Gedanken hast, so ist es wichtig, sie nicht zu ignorieren, sondern zu ergruenden, woher sie kommen. Damit du micht nicht falsch verstehst: Es ist nicht verkehrt, sondern sehr gesund, den Fokus auf die positiven Dinge des Lebens zu richten. Aber sie sollten nicht dazu dienen, um negative Gedanken zu ueberdecken. Gedanken und Gefuehle sind Energien, und man kann sie nicht "wegdenken" oder wegrationalisieren - sie muessen fliessen koennen. Koennen sie das nicht, fuehren sie du Depressionen und/oder sie gehen ueber den Koerper und verursachen dort Krankheiten. Es ist also immer besser, alles anzuschauen und zuzulassen, als etwas zu ignorieren oder wegzurationalisieren. Das Stichwort ist "Selbstannahme". Sie fuehrt zur Ausgeglichenheit in sich selbst, und wenn man erst mal so weit ist, dass man alle Gedanken und Gefuehle zulassen kann, ganz gleich welcher Art, so ist das ein grosser Schritt, denn das ebnet den Weg fuer den Blick auf die dahinterliegenden Ursachen.
Alles Liebe
Caro