Posted from 130.133.185.152 by Caro on May 19, 2002 at 17:32:21:
Ich muß einfach hier posten, da ich so überwältigt bin.
Wie ich schon oft schrieb starb mein über alles geliebtes Pferd durch meine Hand im Okt. 2000. Meine Beziehung zu ihm war inniger als zu irgendeinem Menschen, meine Liebe grenzenlos...
Vor ein paar Jahren bekam ich einen Brief von einem Mann, der eine Halbschwester (gleiche Mutter) meines Pferdes besitzt und sich einfach mal über die anderen Fohlen jener Stute informieren wollte (Leistungsstand etc.).
Für diesen Mann war ich nur eine Person von vielen anderen Pferdebesitzern, die zufällig einen Halbbruder seiner Stute besaßen.
Damals schon hatte er eine Stute in Pflege, die meinem verstorbenen Pferd "Gopal" auf's Haar gleich war. Diese Stute ist die einzige "Vollschwester" (selber Vater selbe Mutter) meines ehem. Pferdes---sehr selten!
Ich fand die Tatsache amüsant, kümmerte mich aber nicht weiter darum. Der "Mann" und ich hatten keinen weiteren Kontakt.
Nun klingelt heute morgen mein Handy, und es meldet sich dieser besagte Mann. Meine Tel-Nr. hatte er sich von meinem Vater (es ist Pfingstsonntag!!) geben lassen (der im Telefonbuch verzeichnet ist).
Die besagte Vollschwester meines ehem. Pferdes ist seit einiger Zeit im vollen Besitz dieses "Mannes", da ihre Vorbesitzer das Tier zum Schlachter geben wollten. Die Krankheiten der Stute decken sich zu 100% mit denen meines verstorbenen Pferdes (genet. Disposition?!).
Nun, der eigentliche Grund, warum dieser Mann mich anrief ist: Diese Stute "Gitana" gebar vor einigen Tagen ein Fohlen. Gitanas ERSTES Fohlen im Alter von 14 Jahren. (Aufgrund ihrer genet. Fehler und ihres Alters ist es höchst unüblich und fragwürdig, ein Fohlen aus dieser Stute zu züchten.)
Der Mann klang aufgeregt und bat mich, in nächster Zeit mal bei ihm "vorbeizuschauen" (300km Entfernung!). Das Fohlen wird ebenfalls ein Schimmel (wie seine Mutter und sein "Onkel" Gopal). Interessant: Das Fohlen wird nicht verkauft--es bestand also seinerseits kein Interesse daran, mir ein Pferd "anzudrehen". Weiterhin wußte dieser Mann bis heute nicht einmal, daß mein Pferd nicht mehr lebt.
Das, was ich schrieb klingt nicht besonders beeindruckend. Das, was ich nach dem Telefonat FÜHLTE aber schon!
Ich war danach verwirrt: Warum ruft ein fremder Mann mich an, um mir die Geburt eines Fohlens mitzuteilen? Sicher ist dies ein freudiger Moment, doch den teilt man wohl eher mit Freunden oder Bekannten.
Ich weiß es nicht.
In mir stiegen die Tränen auf und ein Gefühl der grenzenlosen Liebe machte sich in mir breit. Ich MUSS dieses Fohlen sehen...! Eine kleine Schimmelstute, mit Beinen, die bereits jetzt länger sind, als die der anderen Fohlen im Stall, mit dem typischen Araberkopf, der trotz der großen Einkreuzung von hannoverschem Blut immer wieder (bei ihrer Mutter sowie bei meinem ehem. Pferd) "durchkommt"...
Ich erkenne mein Pferd wieder, weiterlebend durch dieses kleine Stutfohlen. Ich muß sie sehen und ihr in die Augen schauen, suchen nach einer Antwort auf meine Fragen...
Ich sitze hier zitternd vor dem Monitor, völlig aufgwühlt und durcheinander--
Erst während des Schreibens kommt mir der Gedanke--wer weiß schon, ob ER (mein geliebter Gopal) nicht "wiedergekommen" ist, in einem neuen Leben den Kontakt zu mir sucht...Das ist jetzt keine Vermutung meinerseits, aber die Wahrscheinlichkeit besteht. Und selbst wenn nicht, hatte dieser Anruf heute morgen und das Fohlen eine best. Bedeutung für mein Leben. Welche, kann ich nicht sagen. Warum aber berührt mich die Existenz dieses Fohlens so sehr, und warum drängt es mich (wie wahnsinnig), dieses Tier zu sehen...?
Ich danke Euch für's Lesen. Ich mußte es einfach niederschreiben:-))
Liebe Grüße
Caro
Posted from 63.165.194.131 by Peter on May 20, 2002 at 00:21:09:
In Reply to: Schicksal?! posted by Caro on May 19, 2002 at 17:32:21:
> Warum aber berührt mich die Existenz dieses Fohlens so sehr, und warum drängt es mich (wie wahnsinnig), dieses Tier zu sehen...?
Ich wuerde vermuten, dass es dein noch unverdauter Verlustschmerz und u.U. ein Rest von schlechtem Gewissen ist, der aufgefacht wurde. Ich erinnere mich an deine ersten Postings, in denen du noch deutlich gelitten hast. Inzwischen hast du alles mehr rationalisiert, aber bis es verinnerlicht ist, vergeht Zeit.
Das Fohlen der Vollschwester (quasi die Nichte) bringt dich deinem eigenen Pferd sehr nahe (naeher geht es wohl nicht mehr), und somit werden sehr viele Emotionen aufgewuehlt. Das ist ganz sicher normal und verstaendlich, und muss nichts mit dem Plan oder einem hochemotionalen Punkt zu tun haben. Aber dein Pferd war ganz sicher einer!
Alles Liebe,
Peter
Posted from 130.133.185.152 by Caro on May 20, 2002 at 02:16:04:
In Reply to: Schicksal?! posted by Peter on May 20, 2002 at 00:21:09:
Danke für Deine Antwort.
--Ich wuerde vermuten, dass es dein noch unverdauter Verlustschmerz und u.U. ein Rest von schlechtem Gewissen ist, der aufgefacht wurde.--
Daran hatte ich auch schon gedacht. Vielleicht ist es so. Stutzig macht mich nur, daß dieser Mann mir die Geburt dieses Fohlens mitteilte. Wozu?
Ich bin leider nicht medial, aber ich würde mein Pferd blind unter tausenden erkennen können. Bei seinem Tod habe ich ihn "gefühlt", mehr als jemals zu seinen Lebzeiten. Deshalb wurde aus der "Realistin" Caroline die Jenseits-Interessierte.
Ich werde mir die "Kleine" anschauen und einige Zeit mit ihr verbringen. Das, was Gopal ausgemacht hat, werde ich mit Sicherheit nicht mehr spüren, aber ich werde merken, ob sie einfach nur irgendein Fohlen ist, oder mehr...
--aber bis es verinnerlicht ist, vergeht Zeit.--
Da hast Du Recht. Ich merke immer wieder (gerade bei meinem Hund, welcher auch sehr krank ist), wie sehr mich mein schlechtes Gewissen noch plagt.
Für einen "normalen" Menschen ist es sehr schwer nachvollziehbar, wie tief und innig die Liebe zu meinem Pferd war. Niemals zuvor und nicht bis heute habe ich irgendein Lebewesen so sehr geliebt wie ihn. Ich liebte sogar den Dreck unter seinen Hufen *gg*. Ich hätte für ihn getötet!
Das mag "krank" klingen, aber er (mein Pferd) hat 9 Jahre meines Lebens geformt und bestimmt. Höhen und Tiefen waren ausschließlich von ihm abhängig.
Die Verarbeitung dessen, was ich tat (das Töten) wird vermutlich nie richtig zu Ende sein. Ich habe mir damals täglich suggeriert, daß ich mein weiteres Leben dafür bestraft werden möge für das, was ich tat. Ich sagte mir: "Kein Leid was Du erfährst macht das wieder gut, was Du getan hast."
Danke Dir für Deine Worte. Ich merke gerade beim Schreiben, daß ich noch sehr sehr lange nicht "fertig" mit der Verarbeitung meiner "Tat" sein werde...
Liebe Grüße
Caro
Posted from 217.4.52.115 by Lexle on May 20, 2002 at 11:32:46:
In Reply to: Schicksal?! posted by Caro on May 20, 2002 at 02:16:04:
>Für einen "normalen" Menschen ist es sehr schwer nachvollziehbar, wie tief und innig die Liebe zu meinem Pferd war.
Gott sei Dank kenne ich in dem Fall dann nur "normale" Menschen....
Wer ein Tier bei sich aufnimmt bzw. anfängt, sein Leben mit dem eines Tieres zu teilen, geht doch damit eine Beziehung ein... (wobei ich jetzt hier natürlich NICHT von den Nutzviechern spreche...). Für mich sind und waren alle unsere Tiere immer vollwertige Familienmitglieder, und dementsprechend habe ich mich bei Krankheiten oder Verlust auch gefühlt...
Bei einem Pferd stelle ich mir das ganze sogar noch ein bißchen intensiver vor, weil man mit einem Pferd viele Dinge gemeinsam macht, also nicht nur auf der "Streichel- und ich-bin-der,-der-Dir-Futter-gibt-Ebene"..
>Das mag "krank" klingen, aber er (mein Pferd) hat 9 Jahre meines Lebens geformt und bestimmt. Höhen und Tiefen waren ausschließlich von ihm abhängig.
Das klingt überhaupt nicht krank..., denke, da spielen auch die unterschiedlichen BW's der einzelnen Tiere eine Rolle... Wie oft hat man ein Tier und könnte Stein und Bein schwören, daß das "Vieh" wirklich alles versteht und spürt, wie der Mensch gerarde drauf ist. Unser Hund z. B. hätte locker unsere Memoiren schreiben können, soviel haben wir ihm erzählt, und er "wußte" immer, was er tun mußte, damit es uns besser ging...
>Die Verarbeitung dessen, was ich tat (das Töten) wird vermutlich nie richtig zu Ende sein. Ich habe mir damals täglich suggeriert, daß ich mein weiteres Leben dafür bestraft werden möge für das, was ich tat. Ich sagte mir: "Kein Leid was Du erfährst macht das wieder gut, was Du getan hast."
Caro, hier quälst Du Dich doch permanent unnötig selbst. Du hast aus Liebe zu Gopal zugelassen, daß ihm restliche Schmerzen und ein qualvoller Tod erspart blieben!!! Das weiß er doch auch und nimmt Dir das nicht übel, ganz im Gegenteil! Wie dankbar können wir doch sein, daß man das wenigstens bei den Tieren ohne Strafe machen kann...
Arbeite an der Einstellung dazu, Du hast ihn nicht getötet, sondern ihm wirklich sehr geholfen! Und jetzt geht es ihm gut!
Wer weiß...; bei J. v. Praagh steht, daß ein Bauer, als er drüben ankam, von seinem Lieblingsgaul abgeholt wurde, weil es eine der wichtigsten Seelen in seinem Erdenleben war...:-)
Alles Liebe
Alex
Posted from 130.133.185.152 by Caro on May 20, 2002 at 16:00:00:
In Reply to: Schicksal?! posted by Lexle on May 20, 2002 at 11:32:46:
Danke auch Dir für Deine Worte!
--Für mich sind und waren alle unsere Tiere immer vollwertige Familienmitglieder--
Ebenso war es bei Gopal und mir nicht. Ich lernte erst mit den Jahren seinen Wert schätzen. Als er zu mir kam war er eine Art "Sportgerät" und meine Einstellung zu Pferden eher auf der sportlichen und materiellen Ebene angesiedelt.
Erst durch seine Krankheiten, Klinikaufenthalte und den Kampf um sein Leben (meine Eltern wollten ihn schon einmal töten lassen) lernte ich ihn zu schätzen. Ich brach mit meinem Vater, stürzte mich in Schulden und lebte und arbeitete ausschließlich für ihn.
--Wie oft hat man ein Tier und könnte Stein und Bein schwören, daß das "Vieh" wirklich alles versteht und spürt, wie der Mensch gerarde drauf ist--
Das ist wahr:-)) Gopal und ich waren Seelenverwandte, das habe ich auch ohne ein Glauben an das Jenseits immer schon gewußt.
Auch das ist mein Problem: Er hat mir vertraut und ich ihn verraten...Selbstverständlich nur aus menschlicher Sicht. Ich weiß, daß es ihm gutgeht und das er mir verziehen hat--mehr noch, daß es von seiner Seite gar nichts zu verzeihen gab...
Dennoch tut es mir so leid, da ich gespürt hatte wie er sich direkt nach dem Tode fühlte: Er hat gar nichts verstanden. Es war ein Bolzenschuß. Eben stand er noch, dann wurde er binnen eines Sekundenbruchteils aus dem Leben gerissen. Diese Verwirrung seinerseits, die ich fühlte werde ich niemals vergessen
--Du hast aus Liebe zu Gopal zugelassen, daß ihm restliche Schmerzen und ein qualvoller Tod erspart blieben!!!--
Das stimmt ebenfalls. Nur waren seine Krankheiten nicht der einzige Grund für seinen Tod, sondern auch der finanzielle...
Letzteres darf aus meiner Sicht nicht sein. Ich hatte die Wahl: Studium wegwerfen und für ihn kellnern gehn:-) oder sein Leben beenden. Innerhalb eines halben Jahres baute ich eine innerliche Distanz zu ihm auf, ohne die ich ihn nicht hätte töten können.
Ich bin mir sicher: Hätte ich mehr Geld gehabt, wäre er an dem Tag nicht gestorben. Er hatte eine "gute" Phase. Er war nicht schmerzfrei aber glücklich auf der Weide mit seinen Pferde-Kumpels. Und DAS war/ist mein Problem. Ich habe wider meiner Grundsätze gehandelt, habe mein Wohl über das meines Pferdes gestellt. Hätte ich mit reinem Gewissen sagen können, daß ich seinen Tod herbeiführte um ihn vor weiteren Schmerzen zu bewahren, hätte ich niemals ein Problem oder Gewissensbisse. In meinem Job werden täglich Tiere von ihrem Leid erlöst, und ich tue es gerne.
Objektiv betrachtet weiß ich, daß es so sein sollte. Ich soll/muß mich mit diesem Konflikt auseinandersetzen und daraus lernen. Subjektiv bleibt da immer noch der kleine Funken von Selbstverachtung...
--daß ein Bauer, als er drüben ankam, von seinem Lieblingsgaul abgeholt wurde, weil es eine der wichtigsten Seelen in seinem Erdenleben war...:-)--
Das ist eine schöne Vorstellung:-) Denn bis jetzt gab es noch keine wichtigere Seele in meinem Leben als Gopal:-)
Liebe Grüße
Caro