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Re: Jenseitsvorstellung der Chaosforschung

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Beitrag von Peter am 24 September 2000 um 00:01:32:

Antwort zu: "Jenseitsvorstellung der Chaosforschung" beigetragen von Gonzo am 23 September 2000 um 13:04:55:

Hallo Gonzo

> Hallo, für ein Referat im Religionsunterricht einer Alten- pflegeschule suche ich konkrete Literatur und Hinweise zur Jenseitsvorstellung der Chaosforscher. Ich versuche mit die-sem Referat eine wissenschaftliche Betrachtung des Jenseits.
> Wer kann mir helfen?

Ich bin mir nicht sicher, was Du genau suchst, und ob diese Thematik Deine Zuhoerer nicht moeglicherweise ein bisschen ueberfordert. Aber ich fand mal einen interessanten Beitrag im Archiv, den ich hier reinkopiert habe. Vielleicht hilft er Dir ja sogar ein bisschen?

Alles Liebe,
Peter

**********

> Ich habe einiges zu Parallelwelten aufgeschnappt, wo Menschen wie wir leben, die aber für uns nicht sichtbar sind.

Kenne ich nur im Zusammenhang mit der Quantenphysik, wo sich ein gewisser Hugh Everett nicht damit abfinden wollte, daß nach der Kopenhagener Deutung die Wellenfunktion bei Beobachtung kollabiert. Er entwickelte daraufhin eine Theorie, die sich "Viele-Welten-Theorie" nennt, nach der sich das gesamte Universum im Augenblick der Beobachtung eines Quantenprozesses in Kopien seiner selbst aufspaltet, die bis auf das Ergebnis des beobachteten Prozesses identisch sind.

Hier mal einige Zitate dazu aus John Gribbin's "Auf der Suche nach Schrödingers Katze" [1]:

"Die Welt scheint all ihre Optionen, all ihre Wahrscheinlichkeiten so lange wie möglich offenzuhalten. Das Merkwürdigste an der gängigen Kopenhagener Deutung der Quantenwelt ist, daß ein System durch den Akt der Beobachtung gezwungen wird, eine seiner Optionen zu wählen, die dann real wird.

Bei dem einfachsten Experiment mit zwei Löchern kann die Interferenz von Wahrscheinlichkeiten so gedeutet werden, als würde das Elektron, das die Kanone verläßt, verschwinden, sobald es außer Sicht ist, und durch eine Vielzahl von Geisterelektronen ersetzt, die jeweils einen anderen Weg zum Detektorschirm nehmen. Die Geister interferieren miteinander, und wenn wir nachschauen, wie Elektronen durch den Schirm festgestellt werden, finden wir die Spuren dieser Interferenz, auch wenn wir es jeweils nur mit einem »realen« Elektron zu tun haben. Diese Vielzahl von Geisterelektronen beschreibt jedoch nur, was geschieht, wenn wir nicht hinschauen; wenn wir hinschauen, verschwinden all die Geister außer einem, und einer von den Geistern verfestigt sich zu einem realen Elektron. Von Schrödingers Wellengleichung aus betrachtet, entspricht jeder der »Geister« einer Welle oder vielmehr einem Paket von Wellen, jenen Wellen, die Born als ein Maß der Wahrscheinlichkeit interpretierte. Die Beobachtung, die aus der Vielzahl potentieller Elektronen einen Geist herauskristallisiert, ist, im Sinne der Wellenmechanik, gleichbedeutend mit dem Verschwinden der gesamten Vielfalt von Wahrscheinlichkeitswellen mit Ausnahme von einem Wellenpaket, das ein reales Elektron beschreibt. Dies nennt man den »Kollaps der Wellenfunktion«, und so merkwürdig es ist, liegt er der Kopenhagener Deutung zugrunde, die ihrerseits die Grundlage der Quantenkocherei bildet. Es ist allerdings fraglich, ob viele der Physiker, der Elektronikingenieure und der anderen, die unbekümmert die Rezepte aus dem Quantenkochbuch benutzen, sich darüber im klaren sind, daß die Regeln, die sich beim Entwurf von Lasern und Computern oder bei der Erforschung des Erbmaterials als so zuverlässig erweisen, ausdrücklich auf der Annahme beruhen, daß ständig Milliarden von Geisterteilchen miteinander interferieren und sich nur dann zu einem einzelnen realen Teilchen vereinigen, wenn während einer Beobachtung die Wellenfunktion zusammenbricht. Was die Sache noch schlimmer macht: Sobald wir aufhören, das Elektron zu betrachten - oder was immer es ist, das wir betrachten -, spaltet es sich unverzüglich in eine neue Vielzahl von Geisterteilchen auf, von denen jedes seinen eigenen Weg der Wahrscheinlichkeiten durch die Quantenwelt verfolgt. Nichts ist real, ehe wir es nicht betrachten, und es hört auf, real zu sein, sobald wir nicht mehr hinschauen. [1, S. 189f]"

"Was geschieht mit all diesen geisterhaften Quantenwelten, die mit ihren Wellenfunktionen zusammenbrechen, wenn wir an einem subatomaren System eine Messung vornehmen? Wie kann eine von vielen sich überlappenden Realitäten, die nicht mehr und nicht weniger real ist als diejenige, die wir schließlich messen, einfach verschwinden, wenn die Messung drchgeführt wird? Die beste Antwort ist die, daß die anderen Realitäten nicht verschwinden und daß Schrödingers Katze gleichzeitig lebendig und tot ist, aber in zwei oder mehr verschiedenen Welten. Die Kopenhagener Deutung mitsamt ihren praktischen Konsequenzen ist vollständig enthalten in einer umfassenderen Realitätsauffassung, der Vielwelten-Interpretation. [1, S. 248]"

"[...] Aus ihr folgt, daß es - irgendwie zeitlich neben unserer Realität viele andere Welten, möglicherweise eine unendliche Anzahl von Welten gibt, die parallel zu unserem Universum existieren, aber für immer von ihm abgeschnitten sind. [1, S. 250]"

"Diese Vielwelten-Interpretation der Quantenmechanik stammt von Hugh Everett, der in den 50er Jahren an der Princeton University promovierte. Es erschien ihm merkwürdig, daß nach der Kopenhagener Deutung Wellenfunktionen auf magische Weise kollabieren, wenn man sie beobachtet. [1, S. 250]"

"Everetts Deutung geht dahin, daß die einander überlagernden Wellenfunktionen des gesamten Universums, die alternativen Realitäten, durch deren Wechselwirkung auf der Quantenebene meßbare Interferenz entsteht, nicht kollabieren. Sie alle sind gleichermaßen real und existieren in ihrem jeweiligen Teil des »Hyperraums« (und der Hyperzeit). Wenn wir auf der Quantenebene eine Messung durchfuhren, müssen wir aufgrund des Beobachtungsvorgangs eine dieser Alternativen auswählen, die dann zu einem Bestandteil dessen wird, was wir als die »reale« Welt sehen; durch den Akt der Beobachtung werden die Bande, welche die alternativen Realitäten zusammenhalten, durchtrennt, und die einzelnen Realitäten können ihren jeweils eigenen Weg durch den Hyperraum einschlagen, wobei jede alternative Realität ihren eigenen Beobachter enthält, der die gleiche Beobachtung gemacht hat, aber eine andere »Quanten-Antwort« erhalten hat und glaubt, er habe dafür gesorgt, daß die Wellenfunktion zu einer einzigen Quantenmöglichkeit »kollabiert«. [1, S. 251f]"

"Die Gleichungen der Quantenmechanik sagen uns, daß es in der Kiste aus Schrödingers berühmtem Gedankenexperiment gleichermaßen reale Wellenfunktionen für eine »lebendige Katze« und eine »tote Katze« gibt. Die konventionelle Kopenhagener Deutung sieht diese Möglichkeiten aus einer anderen Perspektive und sagt im Grunde, daß beide Wellenfunktionen gleichermaßen unreal seien und nur eine von ihnen zur Wirklichkeit gerinne, wenn wir in die Kiste hineinschauen. Everetts Deutung nimmt die Quantengleichungen beim Wort und sagt, beide Katzen seien real. Es gibt eine lebendige Katze, und es gibt eine tote Katze; sie befinden sich nur in verschiedenen Welten. Es ist nicht so, daß das radioaktive Atom in der Kiste entweder zerfallen ist oder nicht, sondern es ist sowohl zerfallen als auch nicht zerfallen. Vor eine Entscheidung gestellt, hat sich die ganze Welt, das Universum, in zwei Versionen seiner selbst aufgesparten, die in jeder Hinsicht identisch sind, außer daß in der einen Version das Atom zerfallen und die Katze gestorben ist, während in der anderen das Atom nicht zerfallen ist und die Katze lebt. Das klingt wie Science Fiction, reicht aber sehr viel tiefer als jede Science Fiction, denn es beruht auf einwandfreien mathematischen Gleichungen, die sich widerspruchsfrei und logisch als Konsequenz daraus ergeben, daß die Quantenmechanik wörtlich genommen wird. [1, S. 252f]"

"All die einzelnen Elemente einer Überlagerung von Zuständen gehorchen der Wellengleichung, wobei es ihnen völlig gleichgültig ist, ob die anderen Elemente wirklich sind oder nicht; und da kein Zweig auch nur den geringsten Effekt auf einen anderen hat, kann kein Beobachter den Aufspaltungsprozeß jemals bemerken. [1, S. 256]"

Soweit dazu...

> Angeblich sollen manchmal Leute von dort in unsere Realität rutschen, die dann häufig orientierungslos herumrennen und unbekannte Orte wie "Laxaria" oder "Taured" als ihre Herkunft angeben. Any more details? Ich wollte mal gerne wissen, welche Parallelwelten bekannt sind und wie man da hinkommt.

Das halte ich für Science Fiction. Zumindest im Sinne der Viele-Welten-Theorie ist es unmöglich, "zwischen den Welten" zu wechseln. Der einzige "Weg zurück" führt über die Zeit, und das Einzige, was diesen Weg theoretisch schaffen könnte, wären Informationen (siehe dazu auch [2]), aber keine Materie. Übrigens noch ein interessanter Abschnitt aus dem genannten Buch:

"Nach der Vielewelten-Theorie, so wie ich sie verstehe, ist die Zukunft, was unsere bewußte Wahrnehmung der Welt anbelangt, nicht determiniert, die Vergangenheit aber wohl. Durch den Akt der Beobachtung haben wir aus den vielen Realitäten eine »reale« Geschichte ausgewählt, und sobald jemand in unserer Welt einen Baum gesehen hat, bleibt er dort, auch wenn niemand nach ihm schaut. Das gilt auch rückwirkend bis hin zum Urknall. Möglicherweise sind an jeder Abzweigung der Quanten-Autobahn viele neue Realitäten erzeugt worden, doch der Weg, der zu uns hinführt, ist klar und eindeutig. In die Zukunft führen jedoch viele Wege, und jeden davon wird irgendeine Version vom »uns« einschlagen. Jede Version von uns wird glauben, einen eindeutigen Weg zu gehen, und auf eine eindeutige Vergangenheit zu blicken, aber die Zukunft wird unerkennbar sein, da es so viele Arten von Zukunft gibt. Es mag sogar sein, daß wir Botschaften aus der Zukunft empfangen [2], sei es auf mechanischem Wege wie in Timescape, sei es - falls Ihnen diese Möglichkeit zusagt - durch Träume oder außersinnliche Wahrnehmungen. Wir werden jedoch mit diesen Botschaften kaum etwas anfangen können. Da es eine Vielzahl von künftigen Welten gibt, muß man damit rechnen, daß solche Botschaften verworren und widersprüchlich sein werden. Falls wir sie befolgen, werden wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in einem anderen Zweig der Realität landen als dem, aus dem die »Botschaften« gekommen sind, und es ist daher höchst unwahrscheinlich, daß sie sich je »bewahrheiten« werden. Wer glaubt, die Quantentheorie biete uns einen Schlüssel zu praktischer außersinnlicher Wahrnehmung, Telepathie und dergleichen, macht sich nur etwas vor. [1, S. 265f]"

Gruß,
Stefan

___________
Anmerkungen:

[1] John Gribbin: "Auf der Suche nach Schrödingers Katze - Quantenphysik und Wirklichkeit", Serie Piper, ISBN 3-492-21353-7, DM 19,90

[2] Die Möglichkeit, daß Botschaften in der Zeit rückwärts reisen können, scheint zumindest theoretisch zu bestehen: "Selbst wenn Reisen in der Zeit theoretisch möglich sind, so könnten doch unüberwindliche praktische Schwierigkeiten verhindern, daß wir materielle Objekte durch die Zeit schicken. Nachrichten durch die Zeit zu schicken, könnte dagegen relativ einfach sein, wenn es uns gelingt, die Teilchen zu nutzen, die in Feynmans Interpretation der Realität in der Zeit rückwärts wandern." [S. 301]





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Re: Jenseitsvorstellung der Chaosforschung


Beitrag von Martin Danuser am 23 Juni 2001 um 22:31:25:
Antwort zu: Re: Jenseitsvorstellung der Chaosforschung beigetragen von Peter am 24 September 2000 um 00:01:32:


Hallo, etwas verspätet - sicherlich hast Du Deinen Vortrag vor einem interessierten Publikum bereits erfolgreich gehalten - möchte ich Dich auf das Buch von Frank Tippler, Physik der Unsterblichkeit, hinweisen.Tippler weist wissenschaftlich nach, dass wir alle in einigen Billionen Jahren virtuell wieder auferstehen werden. Tippler ist ein renomierter Professor. Trotzdem scheinen mir seine Schlussfolgerungen sehr gewagt und nicht zwingend. Möglicherweise ist er gar von religiösen Strömungen beeinflusst? Aber allemal sehr interessant zu lesen.


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