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Das Kreuz mit Moral und Schuld

Krieg ist schlecht, Pazifismus ist gut. Autorität ist schlecht, antiautoritäre Erziehung ist gut. Leistung ist schlecht, Kapital ist schlecht, numerus clausus ist schlecht... Aber ist das wirklich so?

Inzwischen wissen wir, dass es antiautoritär erzogene (oder unerzogene?) Kinder im Leben schwerer haben, auch kann nicht bestritten werden, dass kapitalistische Länder im Vergleich zu sozialistischen einen höheren Lebensstandard besitzen und dass die ehemals sozialistische Deutsche Demokratische Republik vor ihrem Fall pleite war. Solange unser Bewusstsein noch nicht ausreicht, um zu verstehen, dass Leistung für jeden von uns ein Bedürfnis sein sollte und dass jeder zwanglos und freiwillig seinen Beitrag zum Wohl seiner Gemeinschaft einbringen sollte, dient eben Geld als Motivator anstelle der noch fehlenden Einsicht.

Doch die Leistungsverweigerer sehen das anders. Ich bin kein Verteidiger etablierter Werte nur der Tradition wegen, aber Traditionen hatten einen guten Zweck. Sie fungierten als Leitlinien innerhalb der Gesellschaft, nach denen sich alle richten konnten, denen es an eigener Einsicht mangelte. Mittlerweile aber sind mit den Traditionen auch unsere gesellschaftlichen Werte verfallen, und ohne diese verfällt langsam unsere Gesellschaft. Die Destruktion unserer Gesellschaft hat meines Erachtens bereits ein gefährliches Ausmaß erreicht.

Sicher lässt sich darüber streiten, was wesentlicher ist, Inhalt oder Rechtschreibung, Diskussionfreudigkeit oder Logik, Schulwissen oder Talent. Doch inzwischen können wir schon deutlich sehen, wozu die Aufweichung in den schulischen Anforderungen geführt hat: Immer weniger Abiturienten schaffen ein Ingenieurstudium, in den von linken Akademikern beherrschten Foren bei Spiegel Online oder der Tagesschau gibt es keine Kommas mehr, man muss schon fast jeden längeren Satz zweimal lesen, um zu verstehen, was der Autor überhaupt gemeint hat, und ohne Taschenrechner kann schon fast niemand mehr 10 Zahlen aufaddieren.

Ist Schulbildung in der Schöpfung wirklich wichtig? Im Prinzip nein, denn als Vollseelen haben wir dieses Wissen bereits. Auch gelten außerhalb der Materie ganz andere Werte und Vollseelen haben auch ein viel höheres Bewusstsein. Aber wir leben ja noch innerhalb der Materie und auch mit einem relativ niedrigen Bewusstsein, und hier brauchen wir eben gewisse Leitlinien als Ersatz für das uns noch fehlende Bewusstsein. Zu diesen Leitlinien gehört auch die Moral, doch mit der Auflösung der traditionellen Werte scheint auch das Moralempfinden innerhalb unserer Gesellschaft geschwunden zu sein.

Moral, was ist das eigentlich? Bei Wikipedia findet man: "Moral beschreibt, wie Menschen faktisch handeln und zu Handeln erwarten oder auch, was sie dabei faktisch für richtig halten. Dieser deskriptive Bedeutungsaspekt einer Moral wird auch als Sittlichkeit oder Ethos bezeichnet und umfasst 'regulierende Urteile und geregelte Verhaltensweisen', ohne dass über die rationale oder moraltheoretische Rechtfertigung derselben ein Urteil beansprucht wird". Moral kann deshalb nicht statisch sein, denn sie hängt ja immer von der Gesellschaft und deren Denkweise ab. Ändern sich die gesellschaftlichen Werte, so ändert sich mit ihnen das Moralempfinden innerhalb der Gesellschaft. Schwinden die Werte, so schwindet damit auch die Moral.


Moral und Schuld

Moral basiert auf ideellen Werten, die dem Wandel unterliegen. So gab es im römischen Weltreich für einen jungen Mann nichts ehrenhafteres, als für das Vaterland zu sterben. Dasselbe fühlten viele Japaner im 2. Weltkrieg oder fühlen auch heute noch viele Aufständische im libyschen Bürgerkrieg. Dagegen fühlen derzeit und speziell in Deutschland viele Menschen, dass jede Art von Krieg verwerflich sei und dass der Pazifismus angestrebt werden müsse, wobei es hier aber nicht mehr um höhere Werte, sondern nur noch um Eigennutz geht. "Was interessiert mich das Leid anderer", scheint die verbreitete Devise zu sein, "Warum sollen wir uns da unten einmischen, wir haben genug eigene Sorgen!" Wer so denkt, hat meiner Meinung nach neben Bildung, Tradition und Moral auch die Grundprinzipien jeglichen Miteinanders über Bord geworfen.

"Machen wir uns schuldig, wenn deutsche Piloten Bomben auf Libyen werfen oder wenn sie es nicht tun?" fragt Georg Diez in seinem Artikel "Der Krieg der Linken". Schuld entsteht, wenn wir uns unmoralisch verhalten. Da jedoch die Moral dem gesellschaftlichen Wandel unterliegt, gibt es auch keine eindeutig definierte Schuld. Ob jemand schuldig oder unschuldig ist, basiert immer auf persönlichen Ansichten. 12 farbige Geschworene fanden O.J.Simpson für nicht schuldig, während fast die gesamte weiße Bevölkerung der USA ihn für den Mord an seiner Ehefrau und deren Freund als schuldig empfand. "Der Westen bombt, und Deutschland schaut zu. Der Westen tötet, und Deutschland schweigt. Der Westen macht sich schuldig, und Deutschland fühlt sich gut". Oder ist es nicht vielleicht genau umgekehrt? Machte sich Deutschland schuldig, weil durch die deutsche Verschleppungspolitik jetzt in Libyen Hunderte oder gar Tausende mehr Aufständische, Zivilisten und Regierungssoldaten sterben? Führte die Uneinigkeit unter den NATO Mitgliedern jetzt nicht zu einem viel länger andauernden Bürgerkrieg und hätte dieser nicht durch ein rasches Eingreifen verhindert werden können?

"Unschuldig schuldig, das war die Tragödie der Antike", schreibt Georg Diez in seinem Artikel, den ich hier ausschnittsweise zitieren möchte, um ihn zu erhalten:

Schuldig unschuldig, das ist die Tragödie des 21. Jahrhunderts. Es gibt einen Film, der gerade ins Kino gekommen ist und diese Tragödie durchspielt. "In einer besseren Welt" heißt er. Die dänische Regisseurin Susanne Bier hat dafür den Oscar für den besten fremdsprachigen Film bekommen. Sie hat die Widersprüche der Moral gesucht, sie hat Sophokles und Strindberg kombiniert - und in der Familie das Weltgericht gefunden."

Als Film ist das etwas berechenbar; als Kammerspiel einer Ethik des 21. Jahrhunderts ist das durchaus beeindruckend. Bier erzählt die Geschichte zweier Söhne und ihrer Väter. Der eine Sohn wird in der Schule gemobbt, der andere Sohn hilft ihm, mit durchaus exzessiver, aber effektiver Gewalt. Der Vater des schwachen Sohnes ist Arzt und Pazifist, der Vater des gewalttätigen Sohnes ist reich und passiv. Die Pointe des Films ist, dass es der Pazifismus ist, der in die Katastrophe führt.

Widersprüche vorführen

Einmal ist der Arzt direkt beteiligt, einmal indirekt. Zu Hause in Dänemark führt er den beiden Jungen vor, was es heißt, auch die andere Backe hinzuhalten - was bei den Jungen Verwunderung und auch Verachtung produziert und in einem beinahe tödlichen Gewaltexzess endet. In Afrika, wo er arbeitet, entscheidet sich der Arzt, das Leben eben jenes Mannes zu retten, der so hemmungslos vergewaltigt und gemordet hat und dafür verantwortlich ist, dass der Arzt fast jeden Tag aufgeschlitzte und verstümmelte Frauen versorgen muss.

Auch die Afrikaner reagieren mit Verwunderung und Verachtung. Bis eben jener Humanismus und Pazifismus des Arztes dazu führt, dass der Schlächter, der Schurke auf einmal hilflos vor der Meute liegt - die ihn erschlägt wie ein Tier. Der Arzt, der diese Situation provoziert hat, dreht sich weg, er ist unschuldig schuldig, Opfer seiner eigenen hehren Moral.

Die Gewalt war hässlich und falsch, hat aber Ordnung und Gerechtigkeit hergestellt. Der Pazifismus war edel und gut, hat aber zum barbarischen Bruch mit der Zivilisation geführt. Susanne Bier bezieht hier nicht Position. Sie führt die Widersprüche vor. Sie ist dabei rigoros, wie es vielleicht nur Nordländer können. Sie glaubt nicht an Wahrheit. Sie glaubt nicht an Richtig und Falsch. Aber sie bleibt deshalb nicht passiv, sie bleibt nicht teilnahmslos. Sie hat im Grunde nur eine Botschaft: Du musst tun, was du tun musst.

Alles andere ist Versagen. Alles andere ist Schuld. Das sind die Widersprüche, vor denen einen kein Mandat des Uno-Sicherheitsrats schützt.

Ja, der vermeintliche Pazifismus hat zum barbarischen Bruch mit der Zivilisation geführt. Aber man sollte nicht Egoismus, Werteverlust und sittlichen Verfall als Pazifismus bezeichnen. Pazifismus basiert auf höheren Werten, Egoismus, Werteverlust und sittlicher Verfall auf niedrigen. Eine Regierung, die das gegenseitige Vertrauen innerhalb einer Bündnisgemeinschaft wegen ein paar Landtagswahlen bricht, nur um den Bestand ihrer inzwischen weitgehend wertefreien Partei zu retten, dient nicht als Vorbild für Moral, Humanität und Zivilisation, sondern beschleunigt den Selbstauflösungsprozess innerhalb dieser Gesellschaft nur noch mehr.


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